Anschlussfinanzierung18. Dezember 2025 · 4 Minuten Lesezeit
Was passiert nach der Zinsbindung
Warum Deine Unterschrift unter den Bankbrief Dich 15.000 € kosten kann – und warum Du das erste Angebot Deiner Hausbank niemals blind annehmen darfst.
Torsten Kotzan
20 Jahre Bank, seit 2022 an keine Bank gebunden
Warum Deine Unterschrift unter den Bankbrief Dich 15.000 € kosten kann
Nach der Zinsbindung brauchst Du eine Anschlussfinanzierung – entweder als Prolongation bei Deiner Hausbank oder als Umschuldung zu einer neuen Bank, die Dein Haus neu bewertet. Deine 10-Jahres-Zinsbindung von 2015 läuft aus? Statt 1,3 % drohen jetzt 4 %. Warum Du das erste Angebot Deiner Hausbank niemals blind annehmen darfst – und wie Dein Haus Dir den Zins rettet.
Das Wichtigste in Kürze
- Die „Steuer“: Deine Hausbank schickt Dir bequem per Post ein Verlängerungsangebot (Prolongation). Wer das unterschreibt, zahlt oft 0,5 % zu viel Zinsen.
- Der „Hidden Value“: Dein Haus ist seit 2015 wahrscheinlich 40–50 % mehr wert. Deine Hausbank rechnet oft mit dem alten Wert. Eine neue Bank bewertet neu – und gibt Dir dadurch Top-Konditionen.
- Das Forward-Darlehen: Du musst nicht warten, bis der Vertrag endet. Du kannst Dir die Zinsen von heute schon bis zu 5 Jahre im Voraus sichern – gegen einen kleinen Aufschlag.
- Der 3,9-vs.-3,4-Vergleich: Ein realer Kundenfall aus Schwalmtal zeigt eine Ersparnis von 0,5 % Zinsen. Bei 200.000 € Restschuld sind das 1.000 € pro Jahr.
Zinsbindung läuft aus: Als das Geld noch billig war
Erinnerst Du Dich an 2015? Wir hatten Zinsen von 1,3 % oder 1,5 %. Du hast damals eine Finanzierung auf 10 Jahre abgeschlossen und Dich gefreut.
Jetzt, 2025, flattert der Brief ins Haus. Die Zinsbindung läuft aus.
Der Marktzins liegt heute vielleicht bei 3,5 % oder 4,0 %.
Deine Rate droht sich zu verdoppeln. Viele bekommen Panik. Und genau in diesem Moment der Unsicherheit macht es Dir Deine Hausbank sehr einfach.
Die „bequeme“ Prolongation der Hausbank
So läuft es in 90 % der Fälle:
Drei Monate vor Ablauf bekommst Du einen Brief.
„Sehr geehrte Familie Müller, wir freuen uns, Ihnen eine Verlängerung Ihres Darlehens zu 3,9 % anzubieten. Bitte unterschreiben Sie hier.“
Das klingt fair. Es ist bequem. Du musst keine Gehaltsnachweise einreichen, keine Grundbuchauszüge suchen. Einfach unterschreiben, fertig.
Aber diese Entscheidung kostet Dich ein Vermögen.
Warum? Weil Deine Hausbank keinen Wettbewerb fürchtet. Sie weiß, dass Du den Aufwand eines Wechsels scheust. Und sie nutzt oft veraltete Daten.
Neubewertung: Warum Dein Haus heute Dein bester Freund ist
Im Video spreche ich einen Punkt an, den fast niemand auf dem Schirm hat: die Wertsteigerung. Lass uns rechnen:
- Kauf 2015: Hauspreis 300.000 €. Finanzierung 270.000 € (90 % Beleihung = schlechterer Zins).
- Stand 2025: Du hast getilgt. Restschuld: 200.000 €.
- Der Clou: Dein Haus ist heute (trotz Marktkorrektur) vermutlich 450.000 € wert.
Szenario A (Hausbank): Sie schaut oft nur in den Computer: „Kunde Müller, Restschuld 200k.“ Sie ignoriert die Wertsteigerung oder preist sie nicht voll ein.
Szenario B (Umschuldung / Neubewertung): Wenn wir zu einer neuen Bank gehen, bewertet diese das Haus neu. Wert: 450.000 €. Kreditbedarf: 200.000 €. Das ist eine Beleihung von unter 50 %! Für die Bank bist Du jetzt ein „Premium-Kunde“ mit minimalem Risiko. Dafür bekommst Du nicht 3,9 %, sondern vielleicht 3,4 %.
Praxisbeispiel Anschlussfinanzierung aus Schwalmtal: der 0,5-%-Effekt
Ich hatte diesen Fall letzte Woche auf dem Tisch.
- Angebot Hausbank: 3,9 % Zins.
- Mein Vergleichsangebot: 3,4 % Zins (durch Neubewertung und Bankwechsel).
Differenz: 0,5 %.
Bei 200.000 € Restschuld sind das 1.000 € Zinsersparnis im ersten Jahr.
Auf 10 Jahre gerechnet (mit Zinseszins-Effekt bei der Tilgung) reden wir über fast 10.000 € bis 12.000 € Vorteil.
Nur für das Einreichen von ein paar Unterlagen.
Ist Dir ein Nachmittag „Papierkram“ 12.000 € wert? Ich denke schon.
Das Forward-Darlehen (die Zeitmaschine)
Was, wenn Deine Zinsbindung erst in 2 oder 3 Jahren ausläuft, Du aber Angst hast, dass die Zinsen bis dahin auf 5 % steigen? Hier kommt das Forward-Darlehen ins Spiel. Du kannst Dir die Zinsen von heute für die Zukunft reservieren (bis zu 60 Monate im Voraus).
- Der Preis: Die Bank verlangt einen Aufschlag (Forward-Aufschlag) pro Monat Wartezeit.
- Die Wette: Du wettest, dass die Zinsen in Zukunft höher sind als der heutige Zins plus Aufschlag.
Wann lohnt sich das? Wenn Du ein hohes Sicherheitsbedürfnis hast. Du kaufst Dir heute die Ruhe für 2027 oder 2028. Wenn Du wegen der Wirtschaftsnachrichten schlaflose Nächte hast, ist das Forward-Darlehen Deine Versicherung.
Mit der Treue schwindet der Vorteil, Vergleichen wird belohnt
Die Anschlussfinanzierung ist der Moment, in dem Du die Fehler der Erstfinanzierung korrigieren und die Gewinne der Wertsteigerung mitnehmen kannst.
Versteh mich nicht falsch: Manchmal macht die Hausbank ein gutes Angebot. Aber Du weißt es erst, wenn Du ein Gegenangebot hast.
Unterschreibe niemals den ersten Brief.
Deine Strategie für die Anschlussfinanzierung:
- Wann läuft es aus? Prüfe in Deinem Vertrag das Datum „Ende der Zinsbindung“.
- Kalender-Alarm: Setze Dir einen Termin 3 Jahre vorher (für Forward-Checks) und spätestens 6 Monate vorher (für die Umschuldung).
- Vergleich: Schick mir das Angebot Deiner Hausbank. Ich lasse es gegen über 400 Banken laufen. Wenn die Hausbank gewinnt: super. Wenn nicht: Dann sparen wir Dir viel Geld.