Hauskauf19. Dezember 2025 · 4 Minuten Lesezeit
Die 5 Fehler bei Deiner Immobilienfinanzierung
Erst denken, dann unterschreiben: Eine Finanzierung scheitert meistens nicht daran, dass kein Geld da ist, sondern dass es falsch eingesetzt wird.
Torsten Kotzan
20 Jahre Bank, seit 2022 an keine Bank gebunden
*Gestern war ich wieder bei Kunden und habe gemerkt: Viele machen sich vorher zu wenig Gedanken. Wer bei der Immobilienfinanzierung Eigenkapital, Nebenkosten, Rate, Zinsbindung und Absicherung nicht durchdenkt, zahlt am Ende drauf. Hier gibt es Tacheles über Eigenkapital, Raten und echte Sicherheit.*
Erst denken, dann unterschreiben
Ich erlebe es immer wieder: Kunden sitzen bei mir am Tisch und sind hochmotiviert, aber sie haben die falschen Ansätze im Kopf. Eine Finanzierung scheitert meistens nicht daran, dass kein Geld da ist, sondern dass es falsch eingesetzt wird.
Es gibt Stellschrauben, die Dir Tausende Euro sparen können – oder Dich die Finanzierung kosten. Hier sind die 5 Fehler, die ich in der Praxis am häufigsten sehe, und wie wir sie gemeinsam umschiffen.
Fehler 1: Eigenkapital – „Ich habe 30.000 Euro, also setze ich 30.000 Euro ein.“
Das ist der Klassiker. Du kratzt jeden Cent zusammen, um der Bank zu gefallen. Aber als Finanzierer sage ich Dir: Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen dem, was Du hast, und dem, was Du einsetzen solltest.
Das Geheimnis der „Konditionsstufen“: Banken rechnen in Stufen (z. B. 80 % oder 90 % Finanzierung). Stell Dir vor, Du kaufst für 300.000 €.
- Wenn Du 30.000 € einsetzt, bist Du vielleicht knapp in der schlechteren Stufe.
- Wenn Du nur 2.000 € mehr einsetzt (vielleicht von der Familie geliehen?), rutschst Du in die bessere Stufe und sparst über die Jahre massiv Zinsen.
*Umgekehrt gilt:* Manchmal ist es sinnvoll, weniger einzusetzen, um flüssig zu bleiben. Wenn die 5.000 € mehr Dir keinen besseren Zins bringen, behalte sie lieber als Puffer auf dem Konto. Ein Haus ohne Rücklagen ist gefährlich. Wir müssen damit „spielen“, um das Optimum rauszuholen.
Fehler 2: Die laufenden Nebenkosten unterschätzen (die „zweite Miete“)
Viele schauen nur auf die Bankrate: „1.500 € an die Bank? Das passt, das zahle ich ja jetzt auch an Miete.“
Vorsicht. Das ist eine Milchmädchenrechnung.
Als Eigentümer bekommst Du Post, die Du als Mieter nie gesehen hast:
- Grundsteuer B (direkt an die Stadt).
- Abwasser, Frischwasser, Müllabfuhr.
- Wohngebäudeversicherung.
Das nenne ich die laufenden Nebenkosten. Frag beim Makler oder Vorbesitzer aktiv nach: „Zeigen Sie mir mal die Abrechnungen.“
Kalkuliere hier lieber mit einem Puffer. Du musst neben der Rate auch noch leben können. Wenn die Bankrate Dein Konto am 1. des Monats leerfegt, hast Du kein Leben mehr.
Fehler 3: Die Rate passt „irgendwann mal“
„In zwei Jahren bin ich Abteilungsleiter, dann geht das locker.“
Nein. Wir müssen schauen, was heute Sache ist.
Wie sehen Deine Ausgaben jetzt aus? Mit unserem Budgetrechner kannst Du das vorab durchrechnen.
Ich bin ein Fan der Wohlfühlrate. Das ist der Betrag, bei dem Du nachts ruhig schläfst und trotzdem noch in den Urlaub fahren kannst.
Eine Finanzierung muss zu Deinem Leben passen, nicht umgekehrt. Wenn wir die Rate so hoch ansetzen, dass Du nur noch für das Haus arbeiten gehst, habe ich meinen Job schlecht gemacht.
Fehler 4: Der 10-Jahres-Tunnelblick bei der Zinsbindung
Viele gehen zur Bank und unterschreiben standardmäßig 10 Jahre Zinsbindung, weil die Rate da am niedrigsten aussieht.
Aber was ist in 10 Jahren?
Wenn die Zinsen dann gestiegen sind, fliegt Dir die Finanzierung um die Ohren.
Mein Rat: Lass uns Szenarien durchspielen.
Oft kostet die Sicherheit für 15, 20 oder sogar 30 Jahre nur einen minimalen Aufschlag.
Frag Dich: Willst Du in 10 Jahren wieder zittern? Oder willst Du heute die Sicherheit haben, dass die Rate bis zur Rente gleich bleibt? Für viele Familien ist die lange Zinsbindung der bessere Schlaf-Garant.
Fehler 5: „Uns passiert schon nichts“ – die fehlende Absicherung
Ich bin, ehrlich gesagt, kein Freund von Versicherungs-Verkäufen. Ich will Dir keine unnötigen Policen andrehen.
Aber bei einem Thema diskutiere ich nicht: Absicherung der Familie.
Wir reden hier über hohe Summen. Wenn Euch als Paar etwas passiert (Todesfall), bricht oft das Einkommen weg.
Ich möchte nicht erleben, dass der Partner mit den Kindern aus dem Haus muss, weil die Rate nicht mehr tragbar ist.
Eine Risikolebensversicherung kostet oft nicht viel, rettet aber im Ernstfall die Existenz. Geh zu Deinem Versicherungsagenten des Vertrauens und sichere das ab. Nicht für die Bank, sondern für Deine Familie.
Mach Dir Gedanken, bevor Du zu mir kommst
Du merkst: Bei der Immobilienfinanzierung geht es um mehr als nur „Wie viel Zinsen muss ich zahlen?“.
Es geht um Strategie.
Bevor wir uns zusammensetzen, mach Dir bitte Gedanken:
- Wie viel Eigenkapital kann ich einsetzen (Puffer beachten!)?
- Was ist meine absolute Schmerzgrenze bei der Rate (Wohlfühlrate)?
- Wie viel Sicherheit brauche ich (Zinsbindung)?
Wenn Du diese Punkte für Dich geklärt hast, finden wir die Bank, die dazu passt. Und dann machen wir den Sack zu.